Die Sofa-Demokraten

So lautet der Titel des Artikel in der Machtmaschine, ein Volontärsprojekt der Axel Springer Akademie, über die ’neuen‘ Kommunikationswege im Internet von Bürgern, die sich individuell politisch betätigen möchten.

„Die Leute sind nicht generell politikverdrossen, sie möchten nur nicht mehr das Gesamtpaket einer Partei kaufen müssen, um sich politisch zu beteiligen“, sagt Gregor Hackmack. Er ist Mit-Initiator des Online-Portals „abgeordnetenwatch.de“, auf dem Bürger Fragen an die Mitglieder von Bundestag und EU-Parlament stellen und deren Abstimmungsverhalten beobachten können. „Viele Leute möchten sich sachbezogen einbringen, sich zu Themen äußern, die sie persönlich interessieren“, glaubt Hackmack. „Diese Individualisierung der Politik kann das Internet hervorragend bedienen.“ Das Parteiensystem als alleinigen Träger der Entscheidungsbildung hält er bereits jetzt für ein Auslaufmodell.“

Ich glaube das trifft es gut, viele sind mit einzelnen Punkten der Parteiprogramme einverstanden und mit anderen Teilen eben nicht. Und da man diese Einzelteile aber nicht wählen kann, gehen viele eben nicht mehr zur Wahl oder stimmen für die Partei wo sie vermeintlich die geringsten Kompromisse eingehen müssen.

Das hat dann bei Entscheidungen plötzlich den Effekt, das die Bürger, welche diese Partei gewählt haben, trotzdem mit diesen Entscheidungen unzufrieden sind.

Der Online-Wahlkampf Barack Obama in den USA zeigt ein neues Bild der Kommunikation von Politikern zu ihren Wählern. In Deutschland sind wir davon noch Meilenweit entfernt.

Schlimmer noch, es scheint das die Politik Angst davor hat. Sie hat Angst vor der geballten Kommunikationswelle die so auf die Politik zu rollen wird. Plötzlich steht der einzelne Politiker mit seinen Wähler in einer sehr direkten, schnellen Diskussion. Antworten werden von ihm erwartet, kneifen zählt nicht.

Stand heute ist ein anderer, schreibt mal eine Mail an Eure Stadtverwaltung und wartet ab. Es wird lange dauern und dann bekommt ihr per Brief eine Antwort. So läuft seit Jahrhunderten der Austausch zwischen Bürger und Politik.Je höher ihr dabei in die politischen Ebenen wie Kreistag, Landtag oder Bundestag einsteigt, um so schleppender wird das Verhalten der angesprochenen.

Nun droht der Politik das was andere Branchen (Musikindustrie, Filmstudios, Nachrichten, Zeitungen) schon voll erwischt hat, die Geschwindigkeit des Internets !

Der dialogische Charakter der politischen Online-Kultur wird sich auch bei uns früher oder später allgemein durchsetzen. Das „Mitmachnetz“ ist für die junge Generation die gelernte Form der Kommunikation. Das wird sie sich nicht mehr abgewöhnen lassen.

Die Zukunft der Demokratie ist sicher. Sie liegt vor uns. Im Internet.

Politiker lernt, lernt schnell und aus den Fehlern anderer.

„Schwierigkeiten lauern auf den, der nicht auf das Leben reagiert“

[Indiskretion Ehrensache via Rivva]

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